Christophers Mutter wurde wegen Totschlag zu 6 Jahren Haft verurteilt. Unschuldig.
Als sie eines Abends vom Markplatz ihres Heimatdorfes nach Hause ging, griff sie ein betrunkener Mann an, sie konnte sich jedoch losreißen und floh. Am nächsten Morgen wurde der Mann am Straßenrand tot aufgefunden. Die Leute im Dorf beschuldigten Christophers Mutter – sie war in der Abenddämmerung die letzte gewesen, die mit dem Mann in der Öffentlichkeit gesehen worden war. Der Richter zögerte nicht lange und verurteilte Christophers Mutter ohne Rücksicht auf ihre Aussage bereits am darauffolgenden Tag. Ihre sechs Kinder blieben mit dem Vater allein zurück.
Drei Jahre ist dies nun schon her. Drei Jahre lang versuchte der Vater auf sich allein gestellt die Kinder zu versorgen und die Familie über Wasser zu halten. Er schaffte es nicht allein. Immer öfter floh er zu benachbarten Freunden, wo es billiges selbstgebrautes Hirsebier gab, das ihn eine Weile lang seinen Kummer vergessen ließ. Immer häufiger vergaß er aber auch seine Kinder, die die langen Tage über allein zu Hause verbrachten, ständig auf der Suche nach Essbarem.

Eines Tages kletterte der 10-jährige Christopher hoch hinauf in einen großen Mangobaum. Keine einzige Mango sollte hängen bleiben und der Junge wagte sich bis in die hohe Baumkrone vor – und fiel herunter. So sehr das gebrochene Bein auch schmerzte, der Vater hatte weder für die Fahrt ins entfernte Krankenhaus genügend Kleingeld geschweige denn für die Behandlungskosten. Schon bald infizierte sich Christophers Knie; die Kniescheibe verfaulte und der Fuß wuchs unterhalb des Knies nicht mehr weiter. Dadurch dass Christopher nicht mehr auftreten konnte verschob sich die Hüfte und schließlich konnte sich der Junge nur noch unter Schmerzen und gebückt fortbewegen.
Als die Mutter im Gefängnis während eines Besuches des Vaters vom Leiden der Familie erfuhr, wusste sie sich nicht anders zu helfen, als die Gefängnisdirektion um Gnade zu bitten. So kam es, dass wir eines Tages im Nest einen Anruf erhielten, in dem uns die Gefängnisdirektion den Fall schilderte und um schnelle Hilfe bat. Obwohl dieses Gefängnis im Westen des Landes (ca. 4 Autostunden entfernt) liegt, machten wir uns auf den Weg und holten auf die flehenden Bitten der Mutter hin die drei kleinsten Kinder zu uns ins Nest.
Darunter auch Christopher. Während der 4 Monate, die er jetzt bei uns ist, ist er richtig aufgeblüht! Durch die Anteilnahme vieler verschiedener Menschen, konnten ihn vor einigen Wochen in einem Missionskrankenhaus (Kijabe) operieren lassen.

In drei Jahren wird Christopher seine Mutter aus dem Gefängnis abholen dürfen: mit einem orthopädischen Schuh, der den Längenunterschied der Beine ausgleicht wird er ihr aufrecht entgegen gehen können…
